Zum
30jährigen Jubiläum des Heidelberger Madrigalchors:
Werner Schubert
Domini,
dominaeque maxime honorabiles!
Abhinc
triginta fere annis multi concentus musici de supremo loco Heidelbergae,
hac in urbe pulcherrima, certaverunt. Inter quos Chorus Madrigalibus Concinendis
Heidelbergensis erat, quem Gerald Kegelmann, sive Latine: Geraldus Conivir,
condiderat et inde auctoritate ac potestate sua rexit...
So
wollte ich eigentlich, sowohl dem feierlichen Anlass als auch meiner déformation
professionelle entsprechend, meine Festrede beginnen und fortsetzen; aber
dann ist mir noch rechtzeitig eingefallen, dass gerade der Heidelberger
Madrigalchor ein ganz besonderes Recht hat, eine solche Rede in seiner
Muttersprache zu hören; denn das Wort "Madrigal" heißt
ja nichts anderes als "muttersprachlich" und wird seit dem 14.
Jahrhundert dazu verwendet, Gedichte und Lieder in der jeweiligen Muttersprache
gerade von lateinischen abzusetzen. Nachdem jetzt also jedem die Bedeutung
des Wortes Madrigal feierlich untergejubelt habe, fange ich nochmals an,
und zwar in unserer "lingua madrigalis"'; das wäre zwar
streng genommen das Kurpfälzische; aber das versucht uns ja Gerald
Kegelmann seit "dreisisch" Jahren auszutreiben.
Festreden
beginnen gerne mit einer Art mehr verklärenden als erklärenden
Rückblicks. Diese Erwartung kann ich zumindest im Hinblick auf Zeugung
und Geburt des Madrigalchors nicht erfüllen. Seine Anfänge fallen
noch haarscharf in den Zeitraum vor meiner Studienzeit. Als ich nach Heidelberg
kam, gab es eine Chorszene, die von mehr oder weniger berechtigtem Konkurrenzdenken
belebt war. Wenn man Beethovens "Missa solemnis" oder Strawinkys
"Psalmensinfonie" angekündigt sah, dann war das meist der
Heidelberger Bachchor; wenn Verdis "Requiem" kombiniert wurde
etwa mit Reinhold Finkbeiners Komposition "Opas Gichtfinger"',
sang die Studentenkantorei. Für "Jesus und die Krämer"
bzw. "Nikodemus"', oder für auf a-cappella-Maß eingedämmte
Sintfluten aus der Feder Schweizer Komponisten war die Heidelberger Kantorei
zu dieser Zeit hauptsächlich zuständig; politisch Engagiertes
und Experimentelles gab es mitunter an der Providenzkirche und der Johanneskirche
zu hören, um nur ein paar Facetten zu nennen.
Allmählich
fielen mir unter den zahlreichen teils professionell, teils handgemachten
Plakaten, die an den Schwarzen Brettern der Uni und sonstwo hingen - damals
durfte man Plakate noch "sonstwo" aufhängen - , manche
wegen ihrer graphischen und thematischen Eigentümlichkeiten auf.
In optischer Erinnerung geblieben ist mir beispielsweise ein Plakat, auf
dem sich durch die Notensysteme einer Partitur ein Kopf zwängt, der
Monteverdi gehört, von dem Madrigale aufgeführt wurden - das
war 1978 -, oder die Montage von Schuberts - Franz Schuberts - Konterfei
auf ein ungewohntes Outfit: Schottentracht mit Kilt und Dudelsack. Angezeigt
wurde damit das Konzert "Schubert in Schottland" (1979).
Solcher
Art waren die ersten Eindrücke, die ich vom Heidelberger Madrigalchor
hatte. Aber groß interessiert hat mich diese Art von Musik ehrlich
gesagt nicht. Zu der Zeit war ich noch ziemlich auf dem oratorischen Trip;
und die Madrigalchor-Programme fand ich meist ziemlich abgehoben. Erst
dem inständigen Werben meines damaligen Germanistikkommilitonen Johannes
Janz - eine seiner immer wieder notwendigen, nichtsdestoweniger leichteren
Übungen -, doch einmal eines seiner Konzerte zu besuchen, konnte
ich mich nicht mehr entziehen. Und so bin ich denn, damit es endlich Ruhe
gab, 1980 in mein erstes Madrigalchorkonzert gegangen, das allerdings
kein einziges Madrigal enthielt, sondern nichts weniger als Mendelssohns
"Paulus". Die in der Presse vielgerühmte Sprachkultur des
Madrigalchors hatte ich zuvor schon anhand bzw. anohr von Rundfunkaufnahmen
bewundern können; bei meinem ersten Konzert konnte ich zusätzlich
wahrnehmen, dass der Chor fast nur aus ebenso engagierten wie diszplinierten
jungen Leuten bestand. Den Dirigenten hatte ich, ohne zu wissen, dass
es sich dabei um Gerald Kegelmann handelte, schon öfter in der Altstadt
gesehen - da kennt man ja schnell die typischen Gesichter - und immer
wieder gedacht: Mein Gott, der hat ja nur schwarze Klamotten im Kleiderschrank.
Hat er nicht; seit der Konzertreise nach Island 1995 weiß ich, dass
er auch über lasagneplattenbreite tomatenrote Hosenträger verfügt.
Doch ich greife zeitlich weit vor!
Im
Ernst: Die sprachliche und musikalische Präzision des Chores war
in meinen Ohren so atemberaubend, dass ich mir neidlos sagte: In diesen
Chor, in diesen Ausbund disziplinierten Musizierens, wirst du, wenn du
das je wolltest, nie, nie, nie aufgenommen werden. Aber das Schicksal
wollte es anders:
Der
Heidelberger Madrigalchor hatte bereits in den 70er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts den Ruf, unkonventionelle Programme zu gestalten, die zumeist
auch wissenschaftlich betreut wurden; unter den Chormitgliedern gab es
damals wie heute einige Studierende der Musikwissenschaft, wo man sich
Anregungen für Konzerte verschaffen konnte; und wenn man einmal wirklich
in Programmverlegenheit war, dann konnte man sich an eine ganz bestimmte
Person wenden, dem Komponisten wie Anton Rückauf, Jan Novák
oder Peter von Winter vertrautere Bekannte sind als unsereinem Schütz
und Monteverdi: Dr. Joachim Draheim, Musikwissenschaftler und Altphilologe.
Dieser war auch ein Studienkollege von mir, und er kam um 1981 auf mich
zu und sagte - nein: sprudelte, er wolle dem Madrigalchor ein Programm
mit Vertonungen des lateinischen Dichters Horaz schmackhaft machen. Da
müsse aber jemand ein bisschen auf die Sprache achten, damit nicht
"tenazem" statt "tenacem" gesungen werde etc.; er
wolle bei Kegelmann vorfühlen, ob er mich bei diesem Projekt mitsingen
lassen wolle. Einen Tag später stellte sich heraus, dass ein Komplott
geschmiedet und ich in die Zange genommen wurde; denn Johannes Janz kam
auf mich zu, und wieder konnte ich seinem ungestümen Werben - wie
gesagt: eine seiner leichteren Übungen - nicht widerstehen. Ich fand
mich kurz darauf zum erstenmal in einer mir ganz unvertrauten Ecke Heidelbergs
ein: in Bergheim am Lutherhaus, wartete - und warte seitdem - vergeblich
auf eine Aufnahmeprüfung in Gestalt eines Vorsingens und lernte meinen
Eindruck vom Madrigalchor als dem Ausbund disziplinierten Musizierens
schnell zu revidieren. Über den Lateinunterricht schweige ich lieber;
er war ein ziemliches Chaos. In den meisten Dingen wurde mir die Gefolgschaft
verweigert und stattdessen über einzelne meiner Vorschläge abgestimmt.
Ich war zunächst höchlichst erstaunt von derlei demokratischer
Mitbestimmung, wenn ich auch keinen Minderheitenschutz genießen
konnte, und überhaupt war mir die Lockerheit im Umgang miteinander
von meiner Erfahrung mit anderen Chören her ganz neu. Keine giftigen
Blicke oder Kommentare wie "Ich sitze schon zehn Jahre jeden Mittwochabend
auf diesem Platz"', wenn man sich als Neuling auf einen zufällig
von Strickzeug oder Säugling freien Platz setzte; im Gegenteil: einladende
Blicke, zumindest aus Sopran und Alt, nur ja auf dem Platz zu bleiben,
den man sich gegebenfalls ja teilen könnte. Alle waren per Du. Die
Proben wurden immer mal wieder durch flotte Sprüche aufgelockert,
woran ich mich bis heute nicht recht gewöhnen konnte. Ungewohnt war
für mich auch die große Zahl an Musikstudierenden, die eigentlich
immer und für alles Zeit hatten, wenn nicht gerade irgendwo eine
Advents- oder Gruftmucke anstand. Verwundert war ich über die ebenso
lockere wie effektive Probenarbeit und die Suggestion, mit der Gerald
Kegelmann bei den Proben bewirkte - das war zumindest mein Eindruck -,
dass jeder sich ganz persönlich angesprochen fühlte, wenn etwas
zu verbessern war.
Bei
meinem allerersten Konzert durfte ich erfahren, dass für einen Madrigalchorsänger
am Konzerttag selbst das Singen eigentlich ziemlich nachgeordnet ist.
Wichtiger ist es, Podeste zu schleppen, kleine Orgeln schmale Wendeltreppen
hinauf- und herunterzutransportieren, Plakate nochmals schnell nachzukleben,
Programme zu sortieren. Dass die Hauptprobe in der Regel bis 5 Minuten
vor Konzertbeginn geht, war eine neue, wenn auch nicht unbedingt beglückende
Erfahrung. Aber was mich noch mehr erstaunt hat: Auch der Dirigent schonte
sich nicht und packte vieles selbst mit an. Beeindruckend fand ich, dass
gleich dieses erste Konzert mit Passionsmotetten gleichsam als Familienunternehmen
in der Hauskapelle derer von Kegelmann, will sagen: in der Evangelischen
Kirche Wiesloch gestaltet wurde. Seitdem weiß ich die Kegelmannschen
Familienbande zu schätzen; denn auf Dieter, den Bruder von Gerald,
ist als Schläger - und zwar sowohl der Orgel als auch "kontinuierlicher"
Tasteninstrumente - hundertprozentig Verlass; ich erinnere nur an den
Wahnsinnspart in Duruflés "Requiem"', das wir in den
80er Jahren zusammen mit ihm aufgeführt haben.
Erstaunt
war ich über die zahlreichen spontanen Freizeitaktivitäten.
Der an die Probe sich anschließende Kneipengang war damals oft nur
der Start zu weiteren Taten bei Gerald Kegelmann, vor allem, wenn die
Probe sich mit einem wichtigen Fußballspiel im Fernsehen überschnitten
hatte. Denn Gerald hatte schon früh einen Videorekorder und dachte
immer daran, das jeweilige Spiel aufzunehmen, das man dann nach der Probe
bei ihm in Ziegelhausen anschauen konnte. Doch wehe, es kam ein Nachzügler
in die Probe und verriet das Spielergebnis! Dann blieb nichts anderes
übrig - da ja Bier, Wein und Leberwurst schon kaltgestellt waren
-, als sich nach der Probe bei Gerald per Video einen Miss-Marple-Film
reinzuziehen. Zu den weiteren gemeinsamen Freizeitaktivitäten gehören
natürlich auch die Chorwochenenden; im Gegensatz zu Faschingsfeiern
oder Radrallyes haben sich als periodisch wiederkehrende Veranstaltungen
lediglich die satzungsgemäße jährliche Generalversammlung
und das sommerliche Grillfest, letzteres vornehmlich bei mutigen Choristinnen
mit strapazierfähigem Grundstück, etabliert.
Das
klingt alles ein bisschen nach "Friede, Freude, Eierkuchen".
Es soll bei alledem nicht verschwiegen werden, dass die Gruppendynamik
im Madrigalchor keineswegs ein einziger dreißigjähriger Liebesliederwalzer
ist - oder vielleicht doch, wenn man eines dieser Lieder bei Brahms isoliert,
das da heißt: "Nein, es ist nicht auszukommen mit den Leuten."
Es kam im Verlauf der Vereinsgeschichte in der Tat zu einigen Belastungsproben,
auch zu Trennungen im Zorn und ziemlich unerfreulichen Korrespondenzen.
Aber der sprichwörtliche Zahn der Zeit, der schon so manche Träne
getrocknet hat, lässt ab und zu über solche Wunden Gras wachsen,
und so kommt es dann doch oft zu einer Versöhnung, gelegentlich auch
zu einer Reaktivierung schlafenden Chorpotentials.
Nach
außen dringen solche Dinge eher selten. Der Madrigalchor gilt, wenn
man die Konzertkritiken der vergangenen dreißig Jahre Revue passieren
lässt, trotz aller Fluktuation immer wieder als in sich geschlossener,
unverwechselbarer, disziplinierter Klangkörper mit eigenem Profil,
was umgekehrt aber auch bewirkt, dass man vom Madrigalchor ein bestimmtes
Mindestniveau erwartet. Und wenn dieses nicht erreicht wird, fallen die
Kritiken manchmal berechtigterweise schon recht herb aus. Um so mehr freut
man sich dann, wenn wieder wie gewohnt die Rede ist von "betörend
filigranem, dabei mächtig aufglühendem, zart verglimmendem Stimmgewebe"',
wenn sich "zauberische Harmonien und schlicht Choralhaftes geschmeidig,
in herrlichen Farben vereint finden" etc.
Seit
den frühesten Kritiken ist immer wieder von dem Eindruck eines verantwortlichen
Musizierens die Rede. Dass man sich auf die musikalischen Leistungen dieses
nicht-professionellen Ensembles verlassen konnte, war sicherlich mit ein
Grund dafür, dass der Madrigalchor seit 1976 verstärkt zu Rundfunkaufnahmen
eingeladen wurde. Das hat seit Anfang der neunziger Jahre zwar nachgelassen.
Dafür gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Plattenproduktionen,
wobei diejenigen für den Markt schwerpunktmäßig Raritäten
enthalten, etwa die sogenannte "Frauen-CD". Die CD "Faust
in der Musik" aus dem Jahr 1999 hat von all diesen Produktionen das
meiste Lob eingeheimst.
Der
Sinn für Raritäten ist diejenige Spezialität, die Gerald
Kegelmann dem Madrigalchor im Lauf der Jahre schmackhaft gemacht hat.
Dafür sind Kontakte zur Musikszene in und außerhalb Heidelbergs
natürlich besonders wichtig. Geralds Kollege und bester Freund -
dessen Spagatfähigkeit den halben Erdball umspannte: ein Bein in
Brasilia, das andere in Ziegelhausen -, Claudio Santoro, wurde fast zu
einem Hauskomponisten. Ein enger Kontakt bestand und besteht auch zur
Komponistinnenszene: Sowohl Myriam Marbe als auch ihre Schülerin
Violeta Dinescu haben dem Heidelberger Madrigalchor Uraufführungen
anvertraut. Der Weg dahin war oft abenteuerlich. Bei der Einstudierung
von Myriam Marbes knapp halbstündigem Triptychon "Fra Angelico
- Chagall - Voronets" im März 1990 flatterten wochen- und seitenweise
einzelne Abschnitte der Komposition ins Lutherhaus; kein Mensch wusste,
wie das Ganze einmal klingen sollte. Mit den angeblich allerletzten Blättern,
die jedoch immer wieder allenfalls die vorletzten waren, traf auch Myriam
Marbe in Person ein. Das war keine drei Wochen vor der geplanten Uraufführung.
Unglücklicherweise ging da gerade eine Grippewelle durch den Chor;
und eigentlich waren Gerald Kegelmann und der Chor festen Willens, das
Konzert abzusagen. Aber niemand hatte mit der Überzeugungskraft von
Frau Marbe gerechnet. Und sie schaffte es durch den Einsatz ihres Charmes,
uns zur Aufführung zu überreden.
Heidelberger
Komponisten nehmen in der Programmgestaltung des Madrigalchors einen ganz
besonderen Platz ein; schon in einem der ersten Konzerte des Chors in
Heidelberg 1972 wurden geistliche Werke von Gerald Kegelmanns Lehrer Georg
von Albrecht aufgeführt. Hans Vogts Werke stehen immer wieder auf
dem Programm. Zwei seiner Werke hat der Madrigalchor besonders gerne aufgeführt:
das "Canticum Simeonis" und den "Song of an old soldier"',
letzteren sogar fürs Fernsehen, für eine Sendung mit dem Titel
"Heidelberg, Melodie einer Stadt" (1983). Da sieht man dann
eine Phalanx festlich gekleideter, langröckiger Choristinnen mit
zierlichen Sandalen martialisch-rhythmisch auf die fragilen Bänke
der Alten Aula stampfen. Von Helmut Sadlers Werken ist mir vor allem die
vibraphonhaltige Vertonung einer Beinahe-Moritat Wilhelm Buschs im Gedächtnis
hängen geblieben, die mit den unsterblichen Worten beginnt: "Rieke
näht auf die Maschine, Nischke war bei's Militär, aber dennoch
ließ sie ihne niemals nahe bei sich her"', oder - das war im
gleichen Konzert - die Ringelnatzvertonungen von Hermann Schäfer,
der uns mit seinem Sauerampfer auf dem Damm und den nach Australien reisenden
Ameisen seinerzeit sehr viel Mühe und Arbeit, aber auch Spaß
gebracht hat. Aus neuerer Zeit ist mir noch in lebhafter Erinnerung das
Projekt "Text und Literatur" mit Autorenrezitationen von Hilde
Domin und Michael Buselmeier sowie Chorwerken von Armin Gottstein und
Martin Messmer, die beide auf ihre Weise eine ziemliche Herausforderung
für uns bedeuteten. Eine ebenfalls schöne und dankbare Aufgabe
war im letzten Advent die Einstudierung zweier Chorwerke von Timo Herrmann
und Marco Jovic.
Gerald
Kegelmann hat trotz ständiger Fluktuation der Chormitglieder öfter
Konzertkonzepte entwickelt und realisiert, die sich über einen längeren
Zeitraum erstrecken. So war der Madrigalchor entscheidend an einem Zyklus
von Brahms-Konzerten im Jahr 1983 beteiligt und und durfte dabei die Vorliebe
von Gerald Kegelmann für das "Deutsche Requiem" sowie die
Motette "Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen?" kennenlernen
und teilen. Was sich ebenfalls immer stärker manifestierte, war die
Tendenz, bestimmte Konzertprojekte nicht nur unter musikalischen, sondern
auch unter textlich-inhaltlichen Kriterien zusammenzustellen. Andere Projekte
orientierten sich an musikalischen Formen; so gab es Programme, die hießen:
"Englische" oder "Italienische Madrigale" - ja, richtig:
Madrigale singt der Madrigalchor gelegentlich auch!
Ebenfalls
über die Jahresplanungen hinaus geht das noch nicht abgeschlossene
Spektrum von Messevertonungen. Ein weiterer Zyklus nahm sich unterschiedlicher
Vertonungen der Johannes-Passion an: Der Bogen spannte sich in den drei
Jahren von 1993 bis 1995 von Lechner und Demantius über Schütz
zu Bach und von da zu Pärt.
À
propos Pärt: Zur Musik des 20.~Jahrhunderts, wenn sie nicht gerade
aus Heidelbergs Dunstkreis stammt, hegt der Madrigalchor ein etwas zwiespältiges
Verhältnis. Wenn er mit Clustern und freien Vokalisen spielen darf,
wie bei Stockmeyer, Marbe, Messmer oder Dinescu, lässt er mit sich
reden bzw. singen; außerdem sagt er zu Distler, Pepping oder Pärt
durchaus "Ja"'; zu Werken der 2. Wiener Schule, von Webern etwa,
die manche Chöre immerhin mit dem Einsatz von je einer Stimmgabel
pro Kopf bewältigen lassen, sagt er eher "Nein". Das hat
Gründe; denn auf Gerald Kegelmanns Stimmgabeln ist wenig Verlass;
mir hat er einmal eine geliehen, die nicht auf den Kammerton a, sondern
auf e gestimmt war, was eine nicht unbedeutende Singkrise bewirkte...
Wenn
dem Madrigalchor das Singen entweder zu anstrengend ist oder wenn ihn
das Singen nicht auslastet, dann reagiert er sich dadurch ab, dass er
feiert, und zwar so, dass ganz Heidelberg dies merkt. Das geriet vor 15
Jahren anlässlich seines 15jährigen Jubiläums zu einer
Art tour de force. Der Madrigalchor rief den ersten aus einer mittlerweile
stattlichen Reihe von Heidelberger Kulturmärkten auf dem Schloss
ins Leben. Das war, obwohl oder gerade weil die Grenzen der Belastbarkeit
der einzelnen Mitglieder angetestet wurden, ein Riesenerfolg. Die langwierigen
Vorbereitungen mit der Finanzierung und Organisation der einzelnen Veranstaltungen,
die Werbung mit Broschüren und Plakaten, die Herstellung von speziellen
Trinkgläsern, von denen man heute noch bei Festivitäten im Rhein-Neckar-Raum
zehrt, die Durchführung mit Auf- und Abbautruppen und mit Rollkommandos
für die Verpflegung, das Dankeschönfest am Tag darauf, die notwendigen
Improvisationen, wenn eine Kurpfälzer Bauchtanzgruppe oder ein Rezitator
aus der Crème de la crème der Heidelberger Sprecherzieher
nicht zur Stelle war: das hielt auf Trab, aber auch bei Laune.
Was
gibt es noch für Aktivitäten? Da der Heidelberer Madrigalchor
in der Person von Gerald Kegelmann eine wichtige "Schnittstelle"
zur allgemeinen Chor- und Musikszene im In- und Ausland besitzt, kommt
es immer wieder zu Kontakten, die über den engeren Umkreis Heidelbergs
hinausreichen. Aber auch Chormitglieder haben externe Kontakte gestiftet,
beispielsweise zu einem Chor in Barcelona. Der Madrigalchor gastierte
in der Karwoche 1984 in Katalonien mit Konzerten in Barcelona, Manresa
sowie an der Wallfahrtstätte Montserrat. Mit der Exkursion nach Montserrat
sind noch heute legendäre kulinarische, trink- und verkehrstechnische
Erinnerungen verbunden. Als unser Bus eine enge Kurve nur nach mehrmaligen
Versuchen nehmen konnte, fragten wir den Busfahrer, ob er schon jemals
einen solchen Weg habe fahren müssen. Er sagte: "Nää,
hechschdens als bei de Exekutione vun de Schdudende".
Mit
weiteren größeren Chorreisen wurde es zunächst nichts,
obwohl manche geplant waren. Das spektakulärste dieser nicht realisierten
Projekte war die organisatorisch, musikalisch und tropenhygienisch bereits
vollständig vorbereitete Reise zu einem Chorfestival in Kolumbien.
Die Flugtickets waren schon reserviert und bezahlt; da brach Anfang Dezember
1985 der Vulkan Nevado del Ruiz in der Nähe von Ibagué, dem
Zielort der Reise, aus, und das Chorfestival konnte nicht durchgeführt
werden. Da man das Programm nicht umsonst einstudiert haben wollte, kam
man auf die Idee, Benefizkonzerte für die Erdbebenopfer in Kolumbien
zu geben. Das am weitesten entfernte und exotischste Ziel dieser Benefizkonzerte
Anfang 1986 war dann eine Gymnastikhalle in Sinsheim-Ehrstädt.
Die
Frustration durch die geplatzte Kolumbienreise nagte, bis es 1987 durch
die Vermittlung des Arbeitskreises Musik in der Jugend kurzfristig zu
einer Einladung zu einem internationalen Festival von Jugendchören
in Spanien kam, das in Cuenca, zwei Autostunden östlich von Madrid,
in der Osterwoche 1987 stattfand. Der Madrigalchor war als einziges deutsches
Ensemble vertreten und bemühte sich, den Ansprüchen, die an
einen "Jugendchor" zu stellen sind, nach Kräften gerecht
zu werden: durch wochenlanges Applizieren von Gurkenmasken und Oil of
Olaz, Placentubex C und Hormocenta sowie durch großzügiges
Aufrunden des Geburtsjahrgangs auf der Teilnehmerliste und durch extensives
Flipperspielen in den spanischen Bars. Mit einem Chor aus Turin, den man
in Cuenca kennenlernte, ergab sich ein loser Kontakt, der dann Ende Oktober
1989 eine mehrtägige Reise zu einem Festival nach Turin als Konsequenz
hatte. Danach hatte man insgesamt von mehrtägigen Gruppenreisen genug,
bis ein neues Projekt am Horizont auftauchte, das ebenfalls von einem
langjährigen Mitglied vermittelt und schließlich realisiert
wurde: eine Konzerttournee durch Island im Sommer 1995. Margret Boasdottir,
eine ehemalige Studentin von Gerald Kegelmann, Sopranistin, Chor- und
schließlich auch "Reiseleiterin"', nahm die Arbeit auf
sich, dem knapp 35köpfigen Madrigalchor nebst einigem Anhang in Form
durchaus sangeskräftigen Kindernachwuchses - Lisa erinnert sich bestimmt
noch an das "Regenwürmerlied" - vierzehn Tage lang die
Schönheiten ihres Landes zu zeigen. Dass es nicht nur in Island unterirdische
Schwelbrände gibt, zeigte sich daran, dass eines unserer Chormitglieder
nach ein paar Tagen schon nach Deutschland zurückreisen musste, weil
seine Apotheke abgebrannt war. Ein Kühlschrank hatte durch einen
Kabelbrand ein Feuer verursacht. Angeblich kursiert in Akureyri bereits
eine Saga, die den verrückten Madrigalakórinn zum Thema hat,
der auf dem Rollfeld zum Abschied des zu früh Dahingeflogenen gegen
den Propellerlärm "O Täler weit, o Höhen"', "Ännchen
von Tharau"', "Rosenstock, Holderblüh" brüllte,
wo doch einzig Morleys Madrigal "Fyer, Fyer" - allein schon
aus nordisch beliebten Stabreimgründen - angebracht gewesen wäre...
Auf
einen Austausch mit dem Béla-Bartók-Chor Miskolc ausgerichtet
war im Herbst 1996 eine Reise nach Ungarn. Wieder und wieder wurde versucht,
endlich eine Brasilientournee zu realisieren - ohne Erfolg. Aber das Jubiläumsjahr
2001 sollte nicht ganz ohne eine internationale Reise verlaufen und wenn
schon nicht nach Brasilien, so doch zumindest in den portugiesischen Sprachraum
führen. Wieder waren die entsprechenden Weichenstellungen Gerald
Kegelmann zu verdanken, der seit 15 Jahren als Dozent an der Musikakadamie
in Porto (Portugal) wirkt. Und so wurde der Heidelberger Madrigalchor
- unterstützt vom Deutschen Musikrat - eingeladen, diesen Juni in
Porto die "Petite Messe solennelle" von Gioacchino Rossini aufzuführen,
die ein Jahr zuvor in Heidelberg auf dem Programm stand. Zusätzlich
stellte sich der Heidelberger Madrigalchor den dortigen Dirigierschülern
in einem Workshop als Objekt pädagogischer Begierde zur Verfügung.
Bei
Reisen, aber auch bei sonstigen Aktivitäten, ist ein so kleines und
armes Ensemble wie der Heidelberger Madrigalchor auf vielfältige
Unterstützung angewiesen. Und damit bin ich bei dem letzten und nicht
unwichtigen Punkt, den ich heute ansprechen will. Da es sich um eine Festrede
handelt, werde ich natürlich nicht direkt um künftige Unterstützung
betteln, sondern die Bettelei verpacken in die Watte der Dankbarkeit.
Unser Dank richtet sich an alle, die als Privatpersonen oder als Institutionen
dem Heidelberger Madrigalchor in den vergangenen dreißig Jahren
geholfen haben. Ich kann die einzelnen nicht nennen; erstens ist ihre
Zahl Legion, zweitens kenne ich sie nicht alle, drittens wollen manche
gar nicht, dass ihre Hilfe publik wird; deshalb zunächst ein ganz
globales Dankeschön an alle, die in der Geschichte des Madrigalchors
dazu beigetragen haben, ihn ideell und materiell zu unterstützen;
ohne diese vielfältige Hilfe hätte der Madrigalchor nie und
nimmer seine Pläne verwirklichen und seine künstlerischen Ziele
ansteuern können. Der gleiche Dank gilt aus den gleichen Gründen
für die Heerscharen von Vokal- und Instrumentalsolisten, von Vokalensembles
und Instrumentalgruppen, von kooperierenden Chören wie beispielsweise
der Evangelische Kirchenchor Wiesloch, und von Orchestern aller Größenordnungen,
die bislang mit uns musiziert und ihren engagierten Beitrag zum Erfolg
des Madrigalchors geleistet haben.
Es
gab Phasen, wo der Madrigalchor dachte, alle seine Projekte aus Mitgliedsbeiträgen
und Konzerteintrittsgeldern finanzieren zu können: Phasen, in denen
er lieber auf das Realisieren größerer Projekte verzichten
als sich mit dem schnöden Mammon befreunden wollte. Aber mit der
Zeit konnten nicht einmal mehr die vergleichsweise geringen Kosten für
ein oder zwei Vokal- bzw. Instrumentalsolisten bei Konzerten mit alter
Musik, geschweige denn die Kosten für Stimmbildner, gelegentliche
Korrepetitionen etc. aus den spärlichen Einkünften bestritten
werden. Nicht auszudenken, wenn auch noch Gerald und Dieter Kegelmann
Honorare verlangt hätten. In dieser Zeit kam es mitunter zu hitzigen
Diskussionen zwischen solchen, die sich dafür stark machten, sozusagen
Drittmittel einzuwerben, und solchen, die so etwas als "Prostitution"
ansahen. Wir sind mittlerweile doch ganz froh, Sponsoren zu haben; und
was eine mögliche Prostitution betrifft, so ist uns noch nie die
Aufführung eines Werkes gegen Geld aufgezwungen oder abgerungen worden.
Niemals ist - soweit ich das als langjähriges Nichtvorstandsmitglied
weiß - beispielsweise der Kulturbürgermeister Dr. Bess an uns
herangetreten, mit der Maßgabe, eine finanzielle Zuwendung jeweils
vom Absingen eines heidelberghaltigen Liedes oder einer Hymne über
die Tonfolge B-E-Es-Es abhängig zu machen. Wir sind froh und dankbar,
dass wir uns auf finanzielle Unterstützungen auf allen Ebenen verlassen
konnten und hoffentlich weiterhin können, vornehmlich durch die Stadt
Heidelberg, an die sich unser besonderer Dank richtet, ferner durch das
Regierungspräsidium Karlsruhe sowie durch den Deutschen Musikrat,
ohne dessen Unterstützung unsere Chorreisen nicht möglich gewesen
wären. Zunehmend wichtig geworden ist auch die werbende Unterstützung
durch die Rhein-Neckar-Zeitung. Ohne diese flankierenden Maßnahmen,
mit denen man nicht automatisch rechnen kann, mit denen man aber bei einer
langfristigen Konzertplanung rechnen muss, hätten uns beispielsweise
die Aufführungen von Bachs h-Moll-Messe und seiner Passionen, obwohl
sie jeweils ausverkauft waren, ganz zu schweigen von den schwach besuchten
"Jahreszeiten" Haydns im letzten Jahr, in den Bankrott getrieben.
Was auch keinesfalls vergessen werden darf, ist, dass die Luthergemeinde
in Bergheim dem Madrigalchor 29 Jahre lang ein Probedomizil im Lutherhaus
gewährt hat. Herzlichen Dank für diese jahrzehntelange Gastfreundschaft!
Und ebenso herzlichen Dank dafür, dass uns die PH ein neues Domizil
gewährt!
Gerade
weil die finanzielle Lage eines Chores immer prekär ist, gebührt
ein besonderer Dank denjenigen, die sich ehrenamtlich in den Dienst der
Chorsache stellen, sei es langfristig, sei es ad hoc. Die Organisatoren
des Chorlebens seien hier als erste genannt; wegen ihrer großen
Zahl müssen sie namenlos bleiben, aber wenn ich so in die Runde blicke,
kann sich eigentlich bald jeder der hier Anwesenden angesprochen fühlen;
allen, die sich um die Belange des Chors in der Vergangenheit und jetzt
gekümmert haben, sei es als Funktionsträger in der Vorstandschaft,
sei es in spezifischer Form als Notenwart oder eher: Notenwärter,
sei es als Festorganisator, sei es als Stühle-in-der-Peterskirche-Rumdreher,
sei es als Podeste-die-Wendeltreppe-hinauf-und-hinunter-Schlepper - wahrlich
keine Jobs für Weicheier - gilt herzlicher Dank. Stellvertretend
für alle will ich sozusagen den Kopf am Ende der langen Schlange
nennen, die sich durch die dreißig Jahre erstreckt: unseren langjährigen
ersten Vorsitzenden Johannes Janz, dessen Engagement seit langer Zeit
ebenso konstant wie umfassend und erfolgreich ist. Dass er bei all der
nerven- und zeitaufreibenden Organisation - wobei er nicht selten einen
mit Mails und Telefonaten reich gefüllten Kummerkasten zu bewältigen
hat und mit all den von ihm Beschwichtigten und Getrösteten bald
einen eigenen Streichelzoo einrichten könnte - bis jetzt noch nicht
das Handtuch geworfen hast, grenzt an ein Wunder. Zu danken ist den zahlreichen
musikwissenschaftlichen Beiständen, die immer wieder dafür gesorgt
haben, dass es den Programmen und auch Programmheften nicht an Substanz
mangelt. Schließlich möchte ich mich aus gegebenem Anlass bei
Udo Wennemuth und seinem Team dafür bedanken, dass die Festschrift
zum dreißigjährigen Bestehen des Madrigalchors rechtzeitig
das Licht der Welt erblickt hat.
Wer
jedoch den allergrößten Dank zu ernten hat, das ist Gerald
Kegelmann. Ohne ihn wären wir heute nicht hier; und ohne ihn wäre
der Heidelberger Madrigalchor nicht das, was er ist. Gerald Kegelmann
leitet den Madrigalchor seit seiner Gründung; von Anfang an tut er
dies nicht nur ohne Honorar, sondern engagiert sich darüber hinaus
in allem, was die Logistik des Chores betrifft. Ich hatte es schon angedeutet:
Ihm war und ist nichts zuviel; und wenn sich zu wenig Leute bereit finden,
einen Orgeltransport zu übernehmen, Podeste zu schleppen oder sonst
etwas zu tun, was über das Musizieren hinaus geht, ist er stets derjenige,
der einspringt, und zwar buchstäblich Tag und Nacht. Sein musikalisches
und technisches Können, seine Kenntnis der Chorliteratur, aber auch
sein Mut zum Wagnis, der ihn und andere oft an die Grenzen gehen lässt,
und nicht zuletzt seine vielfältigen Kontakte zu Komponisten, zu
Sängern, zu Instrumentalisten, zu Orchestern sind ganz wichtige Kriterien,
die den Konzerten des Heidelberger Madrigalchors ihr Profil geben. Sei
es Chormitglied, sei es Konzertbesucher: Jeder kann unendlich viel von
Gerald Kegelmann lernen; er kann lernen, dass Musik, gleichgültig
aus welcher Epoche, dann "schön" ist, wenn sie zugleich
auch "gut" ist und umgekehrt; und er kann lernen, dass auch
und gerade in der Musik, sei sie geistlich, sei sie weltlich, der Teufel
stets im Detail steckt. Mit seinem Chor hat er es nicht immer leicht,
vor allem dann, wenn Gerald Kegelmann ein musikalisches Werk wie ein Uhrmacher
angeht und an bestimmten, unscheinbar wirkenden Zahnrädchen immer
und immer wieder feilt, während der Chor der Ansicht ist, es würde
genügen, das Gehäuse ein bisschen aufzupolieren. Wenn ihn manchmal
das Gefühl beschleichen sollte, sein Engagement würde von seinem
Madrigalchor nicht genügend gewürdigt, so möge er dies
nicht als Audruck eines Unvermögens nehmen, Dankbarkeit zu artikulieren,
sondern als Zeichen dafür - jetzt übertreibe ich natürlich
ein bisschen -, dass die Dankbarkeit zu einem solchen Dauerzustand geworden
ist, dass man sie nicht immer als solche wahrnehmen kann. Um so mehr soll
sie heute betont werden. Wir wünschen uns und ihm, dass er nicht
müde werde - die Konjunktive häufen sich: untrügliches
Zeichen für das nahende Ende der Festrede, bevor ich mich festrede
- wir wünschen ihm, dass er nicht müde werde, das höchste
Ziel des Heidelberger Madrigalchors zu erreichen, das ein langjähriges
Mitglied einmal folgendermaßen unter Verwendung wörtlicher
Zitate des Chorleiters formuliert hat - man achte bitte ein letztes Mal
darauf, dass wieder überhaupt nicht von Madrigalen die Rede ist:
"Aus
einer Horde brüllender Affen aus dem Urwald im Bass, im Schweinsgalopp
dahereilenden Tenören, derb-rustikal klingenden Altstimmen und aus
Armeen von besoffenen Mickymäusen im Sopran soll ein homogener Chorklang
geformt werden, der es ermöglicht, z.B. ein Programm mit geistlichen
Motetten von Schütz und Bach zu erarbeiten und stilgerecht aufzuführen."
(Uli Kiefner, Bremen 1996.)
Bleibt
mir und uns lediglich der Wunsch, den ich aus ringkompositorischen Gründen
wieder in lapidarem Latein äußere:
"Ad multos annos!"
Um dieses höchste Ziel zu erreichen, geben wir Dir, Gerald, heute
neues Material in die Hand, und zwar die Motette von Thomas Tallis mit
dem Titel "Spem in alium numquam habui - Hoffnung auf einen anderen
hatte ich niemals". Diese legen wir Dir besonders ans Herz, nicht
nur, weil der Titel das ausdrückt, was wir heute im Rückblick
auf dreißig Jahre denken, sondern weil es ein Werk ist für
vierzig Stimmen; d.h. auf jedes Madrigalchormitglied fällt ungefähr
eine Stimme, so dass bei der Überprüfung der Klangsensibilität
mit Hilfe dieses Stückes sich jedes Einzelvorsingen oder Quartettsingen
erübrigt. Als Erich Hübner diese Motette seinerzeit mit der
Heidelberger Kantorei aufführte, standen ihm vier Kodirigenten zur
Seite bzw. zur Empore. Wir sind sicher: Du schaffst uns alle bzw. das
alles alleine.
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