Eine Auswahl an Kritiken unserer Konzerte: |
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| Viele Zuschauer an zehn Tagen / 2.11.2011 / Mannheimer Morgen / Michaela Roßner Denn alle Lust will Ewigkeit - HMC feiert sein 40-jähriges Bestehen / 5.1.2011 / RNZ Sängerisch vom Allerfeinsten / 27.1.2011 / RNZ / Michael Hengstler Haydn és „A lélek gyökerei”/ 10.9.2010 / PécsMa.hu / Attila Kovács (Übersetzung: Haydn und „Die Wurzeln der Seele“) Madrigalchor ehrt Villa-Lobos / 11.11.2009 / RNZ / Matthias Roth Entdeckenswerte Haydn-Gesänge / 15.07.2009 / RNZ / Klaus Roß Was für ein Dirigent! / 19.05.2009 / RNZ / Alexandra Schlesinger Jenseitig schön / 10.12.2008 / RNZ / Alexandra Schlesinger Petr Eben "Jeremias"/ 09.07.2008 / RNZ / Klaus Roß Ständchen zum 175. Geburtstag/ 30.04.2008 / RNZ / Magdalena Tonner Himmlische Töne von der Empore/ 11.02.2008 / Die Rheinpfalz/ Uwe Engel Romantisch und schmiegsam/ 14.11.2007 / RNZ / Rainer Köhl Deutscher Madrigalchor in Klausenburg/ 7.9.2007 / Szabadság / Diana Nagy-Hintós R. Schumann / 21.11.2006 / RNZ / Erik Buchheister W. A. Mozart / 27.09.2006 / RNZ / Rainer Köhl Magnificat / 6.11.2005 / RNZ / Matthias Roth Abschiedskonzert Gerald Kegelmann / 14.11.2004 / RNZ / Rainer Köhl Nach 33 Jahren / 14.03.2004 / RNZ / Rainer Köhl Werke von Pärt und Duruflé / 16.11.2003 / RNZ / von Rainer Köhl Mendelssohn Bartholdy und Schubert / 21.04.2002 / RNZ / Sibylle Baur-Kolster Haydn und
„Die Wurzeln der Seele“
/font> Die Sinfonietta aus Fünfkirchen und der Heidelberger Madrigalchor haben am 4.September die Zuhörerschaft in die Wurzeln des kirchenmusikalischen Schaffens von Joseph Haydn eingeführt, der als Meister der Symphonien und Streichquartette bekannt ist. Im gemeinsamen Konzert in der Reformierten Kirche von Fünfkirchen-Gartenstadt haben sie die „Cäcilienmesse“ in C-Dur aufgeführt. Am nächsten Tag hat im Barbakan Burggraben das Trio Arco unter dem Titel „Die Wurzeln der Seele“ Branauer Wiegenlieder der Minderheiten im Rahmen des Pan Balcan Art Pikniks gesungen. Die Fünfkirchener Sinfonietta, das Symphonische Kammerochester der Pannonischen Philharmoniker, hat schon Anfang Juni ein Konzert in der Kirche der Fabrikstadt gegeben, wo als Abschluss die Symphonie „Der Bär“ von Haydn in einer Aufführung erklang, die die besten Traditionen der Alten Musik hervorgerufen hat. Für das jetzige Konzert hat sich die Sinfonietta mit Konzertmeister László Gergely auf hohem Niveau für die Aufführung eines in Fünfkirchen selten zu hörendes kirchenmusikalischen Werkes, die vermutlich 1776 komponierte „Cäcilienmesse“ in C-Dur vorbereitet, welches sie aufgrund der persönlichen Kontakte des Konzertmeisters zusammen mit dem Heidelberger Madrigachor aufgeführt hat. Das im Jahr 1971 gegründete deutsche Ensemble ist schon 2007 in der damaligen europäischen Kulturhauptstadt Hermannstadt aufgetreten. Der [jetzige] gemeinsame Auftritt der Ensembles der zwei Städte war eine musikhistorische Tat von Rang, wodurch wir Einblick in den auf die Barocktraditionen und auf Bach zurückschauenden, aber viele eigenständige Züge zeigenden kirchenmusikalischen Stil des jungen Haydn gewinnen konnten. Neben dem zuverlässigen, gute Leistung zeigenden Orchester hat der von Michael Sekulla geleitete, seine lediglich dreißigköpfige Zahl mit stilvoller und kraftvoller Dynamik Lügen strafende Chor die entsprechende Basis für die Entfaltung des Messetextes gegeben. An ein, zwei Stellen hätte der Klang vielleicht etwas nuancierter sein können. Die vier jungen Solisten Annamária Barabás (Sopran), Krisztina Simon (Alt), János Szerekován (Tenor) und Marcell Bakonyi (Bass) verfügen alle über außergewöhnliche klanglichen Gaben, wobei die Sopranistin und der Tenor auch musikalisch auf einem außerordentlich hohen Niveau gesungen haben.
P.S.
Der
restliche Artikel betrifft uns nicht, wurde aber der
Vollständigkeit halber in der Ungarischen Originalversion
behalten.
Entdeckenswerte Haydn-Gesänge
– Madrigalchor in der Stadthalle –
visionär und humorvoll Wenn man das erhellendste Konzertprogramm zum aktuellen Haydn-Jubiläumsjahr küren müsste, dann hätten der Heidelberger Madrigalchor und sein Leiter Michael Sekulla wohl beste Chancen. Selbst den meisten Haydn-Fans dürften die 1801 unmittelbar nach den "Jahreszeiten" entstandenen vierstimmigen "Gesänge für gemischten Chor mit Klavierbegleitung" Hob. XXVc kaum bekannt sein – reife Spätwerke in einem ganz neuen Genre, geschrieben "con amore, in glücklichen Stunden, ohne Bestellung". Eine Auswahl dieser tatsächlich glücklichste Inspiration verratenden Gesänge stellte der Madrigalchor im Ballsaal der Stadthalle vor und lieferte damit aussagekräftige Belege für die unerschöpfliche Originalität des ältesten Wiener Klassikers auch auf vokalem Terrain. Trefflich ergänzt wurden die Chorstücke durch einige der ebenfalls überaus entdeckenswerten Sololieder Haydns, die dank der erlesenen Vortragsfinesse der renommierten Sopranistin Elisabeth Scholl unwiderstehlichen Zauber entfalteten. Wie schon in den "Jahreszeiten" schafft Haydn in seinen späten Chorgesängen die perfekte Balance zwischen volkstonnaher Schlichtheit und kompositorischer Kunstfertigkeit. Dazu kommen Vorgriffe in romantische Ausdruckssphären, die in ihrer Empfindungstiefe besonders faszinieren und den visionären Geist des Endsechzigers bezeugen. Dass Haydns einzigartiger Humor gerade in dieser Werkgruppe nochmals umfassend präsent ist, versteht sich fast von selbst. Der von Michael Sekulla sehr sorgfältig vorbereitete Madrigalchor brachte den Facettenreichtum der raren Pretiosen mit hoher Genauigkeit heraus. Köstlichen Effekt machten dank wunderbar differenzierter Umsetzung etwa das augenzwinkernde Capriccio "Die Harmonie in der Ehe" , die klangmächtige Miniaturballade "Der Sturm", das lakonische Lebensabschiedsstück "Der Greis", die launige Männerchor-Nummer "An die Frauen" und die als krönende Schlusspointe dienende Lessing-Vertonung "Die Beredsamtkeit". Mit ihrer ebenso leuchtend klar timbrierten wie bruchlos geschmeidig geführten Sopranstimme und ihrer erfrischend natürlichen Ausstrahlung erwies sich Elisabeth Scholl als absolut ideale Haydn-Interpretin. Neben fünf humoristischen Schmankerln – beispielsweise dem hinreißenden "Lob der Faulheit" – hielt sie als wertvollste Trouvaillen drei der 1794/95 in London komponierten englischen "Canzonetten" parat, deren expressive Seelensprache Haydn auf direktem Weg zu Schubert zeigte. Wer
immer noch mit verniedlichenden
"Papa-Haydn"-Klischee im Saal saß, wurde durch die
nachtschwarze Elegie "The Wanderer" oder den gespenstischen
Trauergesang "The Spirit's Song" wohl endgültig kuriert.
Gäbe es eine Haydn-Liedplatte von Elisabeth Scholl, so
zählte sie gewiss zu den Favoriten des Kataloges. Die oft
bemerkenswerten Klavierparts waren bei Burkhard Schaeffer in den
denkbar besten Händen.
Was für
ein Dirigent! – Michael Sekulla und der Madrigalchor Von den mindestens 13 Messen Joseph Haydns ist die sogenannte „Cäcilienmesse“ die bekannteste. Es gibt Vermutungen, dass Haydn seine Beförderung zum 1. Kapellmeister mit einer Votivmesse für die heilige Muttergottes feierte. Sie ist eine der größten Messkompositionen, die wir kennen. Sie bestand ursprünglich möglicherweise nur aus dem umfangreichen Kyrie und Gloria, der Rest wurde wahrscheinlich später hinzugefügt. In diesem Kontext kann man den Beweggrund von Michael Sekulla nachvollziehen, der zwischen dem früheren und neueren Teil der Sinfonie Nr. 30 C-Dur mit dem Beinamen „Alleluja“ einfügte. Dieses Werk, dessen Themen auf dem gregorianischen Osteralleluja basieren, hat einen zeitnahen Bezug zur „Cäcilienmesse“. Der Madrigalchor unter Sekullas Leitung hat diese Werke wunderbar gearbeitet. Exzellente Dynamik, klare Artikulation und stimmliche Ausgewogenheit (und das mit nur vier Tenören!) bestimmten die zum Teil äußerst virtuosen chorischen Sätze. Überhaupt Michael Sekulla: Kraftvoll, energisch und präzise war er immer am Puls der Musik, gestaltete Text und Musik zu Klang und religiöser Aussage. Was für ein Glück, einen solchen Dirigenten zu haben! Auch in der Sinfonie Nr. 30 dirigierte er einen fein gemeißelten Haydn. Leicht, dynamisch und ohne klassische Einheitssoße spielte das Kurpfälzische Kammerorchester unter seiner Leitung. Schön die Oboen und Pauken, die den ganzen Abend sehr präsent waren. Die
Gesangssolisten fügten sich gut in das
Gesamtkonzept der Interpretation ein. Eva Lebherz-Valentin sang
souverän, mit schlankem Sopran die manchmal atemberaubenden
Koloraturen („Laudamus“). Christian Diez, Tenor,
hat einen warmen, vibratoarmen Ton und singt wunderbar in der
Mittellage, jedoch in der Höhe leider etwas unelastisch und
brüchig, besonders ausdrucksvoll aber in „Et
incarnatus est“. Bei Cornelius Hauptmann (Bass)
störte sehr die unsaubere Intonation und die etwas grobe
Stimmführung. Franz Vietzthum ist sicher eine Entdeckung: Der
Countertenor sang mit einer herrlichen Stimme leicht und tragend und in
den Höhen mit großer Strahlkraft.
Jenseitig
schön – Madrigalchor in Providenz Der Heidelberger Madrigalchor unter der Leitung von Michael Sekulla und der Organist Stefan Göttelmann gestalteten ein außergewöhnlich schönes Programm mit den geistlichen Motetten und Choralvorspielen op. 122 von Johannes Brahms. Dass Brahms die alten Meister der Rennaissance und des Barock verehrte, wurde an diesem Abend besonders bei den Vokalwerken deutlich hörbar. Nach dem Präludium und Fuge g-moll mit seiner chromatischen und metrischen Dynamik wechselten Chor und Orgel sich reich ergänzend ab. Die Motetten op. 29, 74 und 110 sind alle in der späteren Schaffensperiode von Brahms entstanden. Brahms ausgewählte Texte zeugen von profunder Bibelkenntnis und werfen durch ihre Auswahl und Gliederung ein persönliches Streiflicht auf den Komponisten. Der Heidelberger Madrigalchor sang diese Werke in der Providenzkirche mit großer Sicherheit. Klar und durchsichtig im Klang, deutlich und genau in Artikulation und Absprache. Besonders das "Geistliche Lied für vierstimmigen Chor und Orgel" war jenseitig schön. Michael Sekulla ist ein großer Gewinn für den Madrigalchor. Energie und Sicherheit pulst zwischen ihm und den Sängern. Er fasst die einzelnen Sänger zu komplexen, homogenen Stimmen, Tonwerkzeugen zusammen. Die Choralvorspiele aus op. 122, von denen sieben zu hören waren, beziehen sich in Text und Musik auf die Motetten. Brahms schuf sie 1896 gegen Ende seines Lebens, im Wissen um seine unheilbare Krankheit. Kein Zufall also, dass der Choral "O Welt ich muss dich lassen" zweimal auftaucht und damit sein Lebenswerk beschließt. Stefan
Göttelmann nutzte alle
Möglichkeiten der Orgel aus. Mit feinem Stilgefühl
gelang ihm eine geradezu theologische Interpretation. Facettenreich in
der Registrierung arbeitete er die kontrapunktischen Motive aus ihren
Umspielungen. Gerne hätte man noch die verbleibenden
Choralvorspiele gehört. Eine bewegende Stunde Kirchenmusik!
Eindringliches Spätwerk
– Den im Oktober 2007 mit 78 Jahren verstorbenen Tschechischen Komponisten Petr Eben kennt die Musikwelt vor allem als Schöpfer kraftvoller Orgel- und Chorwerke, deren vitaler Stil an Vorgänger wie Janácek oder Martinu erinnert und der dennoch stets eigens klangsprachliches Profil gewinnt. Unter den geistlichen Werken des Böhmen ragt als Spätwerk die Kirchenoper "Jeremias" heraus, die 1997 in Prag uraufgeführt wurde. Als Textvorlage wählte Eben ungewöhnlicherweise Stefan Zweigs monumentales Bühnenstück von 1915/17, das er in Zusammenarbeit mit seiner Frau Sárka Hurniková geschickt auf wenige zentrale Szenen reduzierte und verdichtete. Die vom Heidelberger Madrigalchor, der Neuen Philharmonie Frankfurt und einem exzellenten Solistenquartett unter Michael Sekulla präsentierte Aufführung in der Providenzkirche machte den musikalischen Rang des Werkes wie seines Komponisten bezwingend deutlich. In fünf straff gefassten Teilen erzählt Eben die Geschichte des alttestamentarischen Propheten und seines Kampfes um Frieden für das geknechtete jüdische Volk, dessen aufrührerische Stimmungen in spannenden Kontrast gesetzt werden zu den inneren Konflikten und quälenden Visionen des einsam mahnenden Protagonisten. Der Musikdramatiker Eben fasziniert dabei durch kantig-herbe Ausdrucksintensität und unwiderstehliche rhythmische Energie, der Lyriker hingegen durch beseelte melodische Erfindung und feine Farbnuancen auch im instrumentalen Bereich. Die von Michael Sekulla bestens vorbereiteten Choristen meisterten ihren anspruchsvollen Part mit einer Genauigkeit und Bewegtheit, die exemplarisch schien und gerade in den leidenschaftlich gesteigerten Chorsätzen des Schlussteiles stärkste Wirkung entfaltete. Eine ähnlich überzeugende Ensembleleistung lieferte das Frankfurter Orchester, in dem vor allem die von Eben vielfältig eingesetzten Holz- und Blechbläser für höchst prägnantes Kolorit sorgten. Markus Lemkes inständige Verkörperung der Titelfigur war in ihrer uneitlen expressiven Authentizität ideal. Die warmherzig singende Mezzosopranistin Annerose Hummel (Mutter), der geschmeidige Tenor Markus Herzog (Erzähler, Baruch) und der sonore Bassbariton Peter Maruhn (Zedekia) komplettierten das sehr ausgewogene Vokalsolistenaufgebot. Organist
Bernd Braun ergänzte diese
Heidelberger Erstaufführung durch Kostproben aus Ebens
Orgelschaffen.
Ständchen zum 175. Geburtstag
– Was 1870 in Wien bei der ersten vollständigen Aufführung der Liebeslieder-Walzer am Klavier Johannes Brahms und die von ihm hochverehrte Clara Schumann waren, gaben beim Konzert des Heidelberger Madrigalchores im Ballsaal der Heidelberger Stadthalle das Horus Piano Duo. Ahmed Abou-Zahra und Nóra Emödy (mit dickem Babybauch) begleiteten den Chor unter der Leitung von Michael Sekulla einfühlsam und wohl abgewogen. In chorischer und solistischer Besetzung wechselnd, präsentierten Silke Schwarz (Sopran), Manami Kusano (Mezzosopran), Mark Heines (Tenor) und Sebastian Geyer (Bariton) vor allem im zweiten Teil den Großteil der "Neuen Liebeslieder" (op.65). Den sanften und angenehmen Stücken der "Liebeslieder" (op.52) widmete sich hauptsächlich der Chor im ersten Teil. Während die Solisten, allen voran die stimmlich herrlich raumgreifende Manami Kusano, viel Wert auf stimmungsvolles Vibrato legten, was manches Mal zu Lasten der Textverständlichkeit ging, konnte der Chor besonders durch Dynamik und rhythmische Akzentuierungen gestalten. Für den verhinderten Tenor Max Ciolek war Mark Heines eingesprungen, der in den Höhen zwar überzeugend wirkte, gestalterisch aber noch mehr aus sich hätte herausgehen können. Geradezu die Melodien in die Luft modellierend dirigierte Michael Sekulla mit viel Gestik und vollem Körpereinsatz. Da
dieses Jahr Johannes Brahms 175 Jahre alt
geworden wäre, widmete sich der Heidelberger Madrigalchor mit
diesem Konzert der leidenschaftlichen und genießerischen
Seite des Komponisten. Im Dezember, passend zur dunkler werdenden
Jahreszeit, wird das Ensemble mit Brahms-Motetten den geistlichen
Werken nachspüren.
Himmlische Töne von der Empore
– Ein Konzert im Rahmen der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ gab der Heidelberger Madrigalchor unter der Leitung von Michael Sekulla am Freitag in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche. Der Erlös des Abends kommt dem Hospiz im rumänischen Hermannstadt zugute. Auf dem Programm stand – neben Chorwerken von Poulenc und Fauré – auch Orgelmusik aus Siebenbürgen, gespielt von dem im siebenbürgischen Kronstadt beheimateten Organisten Steffen Schlandt. Francis Poulenc hat – neben seiner typischen geistreich-witzigen Musik – auch tiefernste strenge geistliche Werke geschaffen. Dazu gehören auch seine Motetten für die Karwoche. Von oft bitonaler Reizharmonik entfalten „Timor et tremor“ und „Vinea mea electra“ eine große Expressivität – vor allem, wenn sie so interpretiert werden wie von Michael Sekulla: Der Heidelberger Madrigalchor sang mit der notwendigen Reinheit und Klarheit der Stimmen, kontrolliert, aber auch akzentuiert und voller Nachdruck. Gabriel Faurés Requiem opus 48 ist von ausgesprochen zartem kontemplativem Gepräge. Unterstrichen wird diese Sanftheit noch dadurch, dass Fauré auf das „Dies irae“ und so auf die musikalische Darstellung des Jüngsten Gerichts verzichtet. Stattdessen schließt er mit einem ätherischen „In paradisum“. Besonders zum Tragen kommt dieses meditative Gepräge in der Fassung ohne Orchester, nur mit der Orgel als Begleitung. Da passte es auch, dass der Chor das Werk auf der Orgelempore der Dreifaltigkeitskirche sang, also vom zweiten Stock herab. Die Klänge schwebten als wahre Himmelstöne auf die Zuhörer hernieder. So lieferte der Heidelberger Chor eine eindrucksvolle Wiedergabe. Er sang intonationssicher und klangschön, in den Stimmen gut ausbalanciert, immer aber differenziert. Der Bariton Vasile Tartan gestaltete seine Soli mit machtvoller, sonorer Stimme, gab ihnen ernste Würde. Die Sopranistin Larissa Krohkhina verlieh dem „Pie Jesu“ ätherische Schönheit. Der
Bezug zu Rumänien war Anlass genug,
zwei bei uns so gut wie unbekannte Orgelmusik-Komponisten aus der
deutschstämmigen Gemeinde Siebenbürgens vorzustellen:
Einem klassizistischen Stil in der Nachfolge Mendelssohns folgt Rudolf
Lassel in seinem satztechnisch sicher gearbeiteten Präludium
und Fuge c-Moll. Paul Richter beweist in seinem Andante con Variationi
aus der Orgelsonate d-Moll viel Klangsinn. Beides wurde beispielhaft
interpretiert.
Romantisch und schmiegsam
– Nach seiner Konzertreise durch Rumänien zeigte der Heidelberger Madrigalchor unter seinem Leiter Michael Sekulla auch bei seinem jüngsten Konzert in der Christuskirche Heidelberg Verbundenheit mit dem neuen EU-Land: Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester "Banatul" aus Temeswar musizierte er im Rahmen des Enescu-Festivals. Wichtigen Einfluss auf das Schaffen von George Enescu nahm Gabriel Fauré, bei dem der rumänische Komponist studierte. Das ist im "Poème Roumain" vorgezeichnet, woraus das Vorspiel zu hören war. Dunkel expressiv kamen die Klänge daher. Dass dieses Werk und Fauré so eindrucksvoll klangen, ist in erster Linie dem großzügig musizierenden Orchester aus Rumänien zu verdanken, das für die schmiegsamen Klänge, die weich flutenden Übergänge bestes Faible zeigte, eine farbenreiche Sonorität entwickelte. Von solch einem Duktus hätte man dem Madrigalchor etwas mehr gewünscht. Das Klang in dem Requiem stellenweise etwas hölzern und hart buchstabiert. Gut gelungen war das "Sanctus", worin der Chor beste religiöse Wirkung erreichte. Sanft leuchtend und schwebend, fand diese Musik im Schlusssatz "In Paradisum" eingebungsvolle Momente. Monika Herzer sang das Sopransolo mit farbenreicher Stimme, aber mit etwas unruhig flackerndem Vibrato. Tobias Scharfenberger gestaltete die Baritonpartie mit noblem, schlankem und wohlgetöntem Organ und großem Ausdruck. Seinem
Auftrag, Madrigale zu singen, kam der Chor davor in drei
Gesualdo-Vertonungen nach: romantisch aufgeweicht in der
großen Besetzung, schön leuchtend. Mit der krausen
Chromatik des ersten Madrigals "Asciugate i begli occhi" hatte der Chor
intonatorisch seine Not, fand aber bald zu einheitlicher Tongebung. In
großer Chorbesetzung Madrigale zu singen, das ist ein
Anachronismus aus vergangenen Jahrzehnten. Die Kontrapunktik und der
Ausdruck werden dabei verschleiert. Dass in dieser Musik aber sehr viel
Farbe steckt, zeigte Strawinsky in seiner instrumentalen Bearbeitung
dieser drei Madrigale, von dem Orchester aus Temeswar wunderbar
gespielt: eine sehr aparte Instrumentierung mit wechselnden Farben und
Registern. Weiche Holz- und dunkle Blechbläser waren in
dialogischem Austausch in "Ma tu, cagion", sublim glühten die
feinen Verästelungen von "Beltà, poi che
t'assenti".
Deutscher Madrigalchor in Klausenburg
Mit einem selten gespielten Stück - R. Schumanns Missa Sacra - beglückte das Publikum der Heidelberger Madrigalchor am Mittwoch in der Reformierten Kirche der Farkasstraße. Bei Heidelberg fällt jedem die Universität, mit jahrhundertealtem Ruf ein und damit auch die Wissenschaft, bei letzterer dann die disziplinierte, bis ins kleinste Detail ausgeführte Arbeit. Und derselbe präzise, disziplinierte Vortrag charakterisierte die Leistung des deutschen Chors. Michael
Sekullas Dirigieren basiert auf einer genauen, klaren Gestik,
außerdem gelang es ihm schon ab der ersten Minute die
Zuhörerschaft von der Musikalität des Chors zu
überzeugen: Wir hörten schön ausgearbeitete
Phrasen, herrliche Pianos. Die Leistung der Männerstimmen
verdient ein besonderes Lob. Die Sopransolistin Melinda
Sámson hatte mit ihrer kultivierten Singstimme und der
dynamischen Verwirklichung Erfolg. Ágnes Balázs
(Orgel) hat mit der größtmöglichen Hingabe
die instrumenttechnisch viel fordernde Begleitung gestaltet.
Hörenswertes Farbenspiel
– Geburts- und Todestage berühmter Komponisten haben die angenehme Eigenschaft, dass sie sich für ein Gedenkkonzert geradezu anbieten. 2006 feiern wir nicht nur Mozarts 250. Geburtstag, sondern gedenken auch des 150. Todestages von Robert Schumann. Der Heidelberger Madrigalchor unter der Leitung von Michael Sekulla nahm sich "Missa sacra in c-moll", op. 147 (für gemischten Chor, Solo und Orgel) an und präsentierte diese als Hauptwerk seines jetzigen Konzerts. Diese Komposition, 1852 entstanden, weist weit über die damalige Zeit hinaus, nicht nur über bezüglich der formalen Anlage und der harmonischen Entwicklung. Faszinierend ist vor allem Schumanns Verquickung von Tradition und "Moderne". So ist die ursprüngliche Gliederung von sechs Sätzen gewahrt, doch bleibt die Reihenfolge und Gewichtung originell: Sanctus und Benedictus werden zu einem Satz zusammengefasst, die kompositionstechnisch gewichtigen Gloria und Credo beeindrucken durch ihre Kürze. Insgesamt war es ein hörenswertes Farbenspiel, das die Ausführenden in der vollbesetzten Heidelberger Providenzkirche zeigten. Vor allem die melodische Vielfalt und rhythmische Raffinessen wiesen auf die Originalität der musikalischen Mittel. Wenn dazu der Chor mit feinem Gespür für die sanglichen Möglichkeiten sparsam, aber präzise im homogenen Klang verweilte, offenbarten sich hier umfassende musikalische Kenntnisse und sängerisches Können. Gerade im Credo zeigten sich spannungsvolle melodische Phrasen, die jedoch durch kleinere Intonationsschwierigkeiten in Sopran und Tenor etwas getrübt wurden. Was in Pianoteilen bisweilen fehlte, ein klarer, durchgängig stimmiger Gesamtklang, machte das Ensemble mit einem beeindruckenden transparenten Duktus in sattem Sound mehr als wett. Wolfran
Koloseus war ein intelligenter, einfühlsamer Gestalter an der
Orgel, der mit wunderbarer Begleitung als tonales Gerüst
fungierte, das leider auch kleine Unschärfen drastisch offen
legte. Michael Sekulla führte mit Esprit und ließ
das Werk in den ihm eigenen Fluss erscheinen. Monika Herzer (Sopran),
sang couragiert, routiniert und setzte einem besonderen Abend die
sängerische Spitze auf.
Wolkenlos
strahlend – Das Mozartjahr geht auch am Heidelberger Madrigalchor nicht vorbei. Madrigale hat der Jubilar keine geschrieben, drum brachte der Chor bei seinem Konzert gleich die ganz große Form zu Gehör: Auszüge aus zwei seiner heroischen Bühnenwerke. Um die strahlende Kraft und den triumphierenden Charakter der Chöre und Zwischenakte aus der Schauspielmusik zu „Thamos, König in Ägypten“ zur wirkungssicheren Darstellung zu bringen, vereinte der Madrigalchor und die Kammerphilharmonie Mannheim das passende Maß an frischen, hellen Farben und schlanker Klanggestalt. Flammend und farbenreich musizierte das Orchester unter dem straff geführten, engagierten Dirigat von Michael Sekulla: elastisch und sehnig ließ dieser das Orchester aufspielen, brachte federnden Schwung und Esprit in die Aufführung – in „Thamos“ ebenso wie in die Auszüge aus „Idomeneo“. Starke Attacke bestimmte letztere Wiedergabe. Sekulla schürte die Dramatik dieser Musik und öffnete daneben Räume für inspiriert strömende Lyrik. Schlank und beweglich sang der Madrigalchor, fand das richtige Maß zwischen heroischer, siegesbewusster Klangkraft und unpathetischem, wolkenlosem Ton. Virtuos ausschießender Jubel und dynamisch entflammter Schlusschor setzten hohe künstlerische Zeichen im Singen dieses Chores, der mit Michael Sekulla einen hervorragenden Dirigenten gefunden hat. Ausgezeichnete Solisten gaben der Aufführung, die im Rahmen des Musikfestivals „Passione“ stattfand, weiteren Glanz. Allen voran Larissa Krokhina, vom Heidelberger Theater, die in „Idomeneo“ eine wunderbare Ilia sang: mit erlesenem, fein schimmernden Timbre ihres lyrischen Soprans, herrlich leuchtend und hingebungsvoll gestaltend. Andrea
Artmann verlieh der Elettra den passenden
dramatischen Aplomb, den diese Partie braucht, sang mit sonor
strahlendem Sopran, in der Höhe mitunter etwas spröde
klingend. Eine schöne Färbung ließ die
Mezzosopranistin Katrin Koch hören, sang ausnehmendklar und
rein, was man von Stefan Vinke nicht immer behaupten konnte. Einen
kernigen, kräftig timbrierten Idomeneo gab der Tenor,
stellenweise aber wurde etwas zuviel gepresst, weshalb der Gesang nicht
selten leicht knödelig klang. Mit schlankem,
prägnanten Bass komplettierte Tobias Scharfenberger das
Solistenquintett. Großer Beifall am Ende.
Solider
Einstieg in die neue Ära – In der Peterskirche riecht es noch nach Farbe. Nach der Renovierung stellte sich der Heidelberger Madrigalchor mit ausschließlichem Barock-Programm unter seinem neuen Leiter Michael Sekulla vor. Vor 30 Jahren wurde der Chor von Gerald Kegelmann gegründet und bis 2004 geleitet. Nun freut man sich, die traditionsreiche Sängervereinigung wieder in guten musikalischen Händen zu wissen. Sekulla, Jahrgang 1971, studierte an der Hochschule Heidelberg-Mannheim, hat eine Ausbildung als Kirchenmusiker und Klavierpädagoge absolviert. Das Dirigieren lernte er bei Martin Schmidt und Andreas Weiss in Karlsruhe sowie bei Zsolt Nagy in Paris. Die Choristen zeigten sich gut vorbereitet, sangen intonationssicher und rhythmisch akzentuiert. Die klangliche Schönheit des Chores wurde besonders in den Chorälen der Bach-Kantate Nr. 10 "Meine Seele erhebt den Herren" deutlich. Eine
Auswahl interessanter Magnifikat-Vertonungen standen auf dem Programm.
Es wurde mit einer prägnanten Komposition in g-Moll / B-Dur
von Vivaldi - als Kirchenmusiker kaum bekannt - begonnen, in der der
Chor sich glänzend darstellte. Das mit Trompeten und Pauken
ausgestattete Magnificat in D von Jan Dismas Zelenka, mit dem das
Konzert beschlossen wurde, ist eine demgegenüber prachtvolle,
wenn auch ebenfalls knapp disponierte (dreisätzige)
Komposition wahrscheinlich für die Dresdner Hofkirche. Bei
diesem beidem Raritäten merkte man deutlich, wie erfahren der
Madrigalchor mit solcher Literatur umzugehen vermag, und Michael
Sekulla formte eine profund musikalische Wiedergabe, die sauber, fast
elegant die Ausdrucksmöglichkeiten der Sängerinnen
und Sänger nutzte, sie aber noch nicht in besonderem
Maße forderte. (...)
Milder Blick zurück –
Abschied mit Uraufführung – Es ist gut, wenn ein Abschiedskonzert auch Perspektiven nach vorne aufzeigt. Insofern hatte Gerald Kegelmann eine gute programmatische Wahl getroffen für sein letztes Konzert als Leiter des Heidelberger Madrigalchors in der gut gefüllten Stadthalle Heidelberg; als er neben dem Brahms Requiem noch eine Uraufführung dirigierte: ein Werk von Timo Jouko Hermann, der an der Mannheimer Musikhochschule Komposition studiert, an jener Stätte, an der Kegelmann selbst lange Jahre als Rektor wirkte. Wie stark er zudem das kulturelle Leben der Region bereicherte, darauf nahm Dr. Jürgen Bess Bezug in seiner Rede. Herrmann hat mit seinem neuen Werk für Soli, Chor und Orchester „Mit Menschen- und mit Engelszungen" genau jene Bibeltexte vertont, die Brahms als Grundlage zu seinen „Vier ernsten Gesängen" nahm. Die Komposition ist handwerklich sehr gekonnt, ganz im Schönberg-Stil gehalten, atonal geschrieben, wobei expressive, herbe Harmonien und detailreiche Bläserfarben einen aparten Ton angeben. Sehr viel Melos ließ Gerald Kegelmann aufblühen, aus der harmonisch spröden Textur wurden die dunklen Elegien vom Madrigalchor und dem verstärkten Kurpfälzer Kammerorchester schmiegsam geformt und mit großem Ausdruck versehen. Die Chorwerke von Brahms haben die Arbeit des Heidelberger Madrigalchors und seines Leiters Gerald Kegelmann von Anfang an begleitet, daher lag es gewissermaßen auf der Hand, zum Abschluss dieser Zusammenarbeit das „Deutsche Requiem" aufzuführen. Ruhevoll, teilweise etwas verhalten auch ließ der Heidelberger Madrigalchor dieses Requiem tönen. Da lag zu Beginn noch ein akustischer Schleier über dem Chor, der die Harmonien etwas unwirklich wie aus weiter Ferne tönen ließ. Die finsteren Visionen und Abgründe des zweiten Satzes „Denn alles Fleisch es ist wie Gras" wurden abgemildert, stattdessen setzte Kegelmann auf das Verklärende und sanft Gestimmte der Requiemsbotschaft. Die stärksten Momente hatte diese Interpretation in den lyrischen Sätzen, und hier hörte man, dass sich der Chor lange schon mit der Romantik vor Brahms beschäftigt, schön geschwungene, schmiegsame Harmonien, erlesen abgestufte Klangvaleurs erhielten dabei schönste Wirkung. Überaus eindrucksvoll tönte dies in den Piano-Registern, lieblich und zart schimmernd, ruhevoll flutend. Auch in den apokalyptischen Visionen des sechsten Satzes vermieden Kegelmann und der Chor alle wetterleuchtende Wucht, es wurde vielmehr gefestigt gesungen, rund und homogen. Ein milder Blick voller
Abgeklärtheit, und auch das Kurpfälzische
Kammerorchester zeigte sich versiert im hochromantischen Ausmalen.
Mechthild Bach sang das Sopransolo sublim leuchtend, mit samtigem Klang
und beseelten Pianissimi, Jugendfrisch und lyrisch-fruchtig gestaltete
der Bariton Peter Paul seine Sologesänge, die er eher liedhaft
anlegte. Langer Applaus für den Dirigenten - Dank des
Publikums für lange Jahre fruchtvoller künstlerischer
Bereicherung.
Rückblick in Schönheit und
Klarheit – Wenn eine Ära sich dem Ende zuneigt, ist es gut, Rückschau zu halten. Gerald Kegelmanns Entschluss steht fest: der Gründer und Leiter des Heidelberger Madrigalchors wird seinem Chor in diesem Jahr noch Lebewohl sagen. Aus diesem Grund gab es in der Heidelberger Providenzkirche eine Neuauflage vom ersten Konzert des Madrigalchors, mit der gleichen Werkfolge wie vor 33 Jahren. Solch feierlichen Momente wie baldiges Abschiednehmen mögen besonders inspirierend sein - jedenfalls haben wir den Madrigalchor kaum sonst je so überragend singen gehört wie hier. Anspruchsvoll war das A-cappella-Programm, und selten nur erlebt man solch eine geschlossene Einheit zwischen Dirigent und Chor. Wie ein Seismograph reagierte der Madrigalchor auf die zahllose Feinheiten herausarbeitende Zeichengebung Kegelmanns.
Intensität
des Introspektiven – Ein Programm der Ruhe, der meditativen Besinnung, angesichts des Todes: In seiner Kombination von Werken Arvo Pärts mit dem Requiem von Maurice Duruflé eröffnete Gerald Kegelmann beim Konzert in der Heidelberger Peterskirche gemeinsam mit dem Heidelberger Madrigalchor, exzellenten Solisten und hoch motiviertem Orchester faszinierende Perspektiven, die in der Stille des Klangs große gedankliche Tiefe fanden. Aus tiefer Ruhe heraus ließen die Ausführenden während Pärts "Miserere" für Soli, Chor, Bläserensemble und Orgel die sparsamen Gesten und knappen Motive aufglimmen, welche unprätentiös in die Stille leuchteten. Das Werk ist bei weitem asketischer und spröder als die meisten Werke des estnischen Komponisten, und doch wussten die Interpreten den kürzelhaften Tonzeichen und Dissonanzen einen wundersamen Wohlklang abzugewinnen. In großer klanglicher Reinheit gestalteten die Solisten Veronika Winter (Sopran), Elisabeth Popien (Alt), Tilman Kögel und Henning Arfst Klocke (Tenor) sowie Stefan Schreckenberger (Bass), führten die harmonischen Spannungen traumwandlerisch sicher zu irisierenden, sanft betörenden Geflechten. Großen Zauber entwarf ebenso das Bläserensemble der Mannheimer Musikhochschule und Dieter Kegelmann an der Orgel, so dass die rätselhaften Harmonien ihre meditative, profunde Wirkung nicht verfehlten. Und mit mystisch flutenden Harmonien in den Rahmenteilen des über halbstündigen Werkes bestärkte der Heidelberger Madrigalchor die tiefe Spiritualität eines faszinierenden Werkes, dem Gerald Kegelmanns Dirigat große Weite und ruhevollen Atem gab. Die Zeit schien stillzustehen in diesen Klängen. Eine starke Intensität des Introspektiven tönte hieraus, ebenso wie aus den übrigen beiden Werken. Aus Pärts " Festina lente " für Streichorchester und Harfe, deren ruhevolle Elegien und kreisende Motive von der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben in zart strahlenden Klängen wunderschön belichtet wurden. Überwältigende Wirkung erreichte die Aufführung des Duruflé-Requiems. Weich strömende Klangbänder, ruhig und farbenintensiv fließend, wurden ausnehmend geschmeidig zu hoch auf gewölbter Klangmacht gesteigert. Stark ausgependelte Kontraste organisierte Gerald Kegelmann am Pult, zwischen engelhaften, seraphischen Schwebezonen des Chores und kräftig befeuerter Siegesgewissheit. Dazwischen gab es genügend Raum für Klanggeheimnisse, wofür der Chor ebensoviel Sinn hatte wie das Orchester. Wunderbare Klangfarben wurden im harmonischen
Zaubergarten des " Sanctus " eröffnet, mit schön
gestalteten dynamischen Schattierungen zwischen Piano und Pianissimo
betörte der Madrigalchor im "Agnus dei". Zwischen Trost und
flammender Klage, sonor gesungenen Visionen des Jüngsten
Gerichts, wurde das "Libera me" stark ausgependelt. Wunderbar
ausschwingende, wie auf Wolken gebettete Harmonien ließ der
Chor hören, Klänge, die an den dramatischen
Knotenpunkten mit hoher Emotion und Energie aufgeladen wurden. Ein
leidenschaftliches Bass-Solo trug Stefan Schreckenberger bei,
Berückendes hörte man von den beiden
Vokal-Solistinnen.
Geistreich-geistliche
Musik –
Obwohl Schubert und Mendelssohn keine allzu große Nähe zueinander haben, wenn es darum geht, Inhalte musikalisch umzusetzen, verstand es der Dirigent Gerald Kegelmann dennoch, die beiden Komponisten durch seine Interpretation einander näher zu bringen. Sein Zugang zu Mendelssohns Vertonung des 42. Psalms ist der gleiche wie zu Schuberts As-Dur-Messe: Kegelmann verwechselt nicht Interpretation und Selbstdarstellung, sondern stellt sich und seinen Chor, das Orchester und die Solisten in den Dienst der Musik. In inniger Aufmerksamkeit und hörbar substanzieller Auseinandersetzung mit den Werken gewinnt die Musik so eine Eigendynamik, der sich der Zuhörer nicht entziehen kann. Die Sogwirkung des 42. Psalms entwickele sich vor allem durch die symbiotische Nähe von Chor und Sopran-Solo (Angelika Reinard, die für die erkrankte Mechthild Bach eingesprungen war). Die bewegte Agogik verzichtete auf Manierismen wie die Dramatik auf pure Lautstärke. Im gemeinsamen Nachhorchen der Musik entfaltete sich deren Charakter und Ausstrahlung in ganz besonderer Weise. Dies gilt in gleicher Weise für die Schubert-Messe, in der, neben der souverän-glänzenden Sopranistin Angelika Reinhardt auch Jutta Winkler (Mezzosopran), Young-Hoon Heo (Tenor) und Jens Hamann (Bariton) den eingeschlagenen Weg des Musik-werden-Lassens in virtuoser Zurückhaltung und partnerschaftlichem Zuhören mitgingen. Ein Weg, an dessen Ende eine ungeheuer wirkungsvolle, weil intensive As-Dur-Messe stand. Ein nuancenreich-feinabgestimmter Chor, stets präsent, nie aufdringlich und in sich sehr ausgewogen, legte die Grundlage für diesen Ansatz. Dabei spielte die junge Kammerphilharmonie Mannheim eine nicht unwesentliche Rolle. Obwohl vom Dirigenten nicht durch allzu große Aufmerksamkeit verwöhnt - dessen Hauptaugenmerk lag beim Chor -, brachten sich die Instrumentalisten mit musikantischer Aufmerksamkeit in das sensible Gleichgewicht ein. Sie reagierten auf die sparsame Zeichengebung schnell und präzise und banden sich in den harmonischen Kontext der Vokalisten nahtlos ein. So
entstanden zwei ausdrucksvolle, gleichgewichtige und ausgewogene
Interpretationen, die den Geist der Werke wehen ließen und
deshalb geistliche Musik in doppeltem Wortsinn waren. Ein
nachahmenswerter Ansatz, der zwar nicht der Selbstdarstellung dient,
wohl aber der Musik - nicht nur der geistlichen.
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