36 Jahre Heidelberger Madrigalchor e.V.

JUBILÄUMSREDE
von Werner Schubert

 

MADRIGAL:
Hätten Sie's gewusst?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Gerald Kegelmann, der Chorgründer

In den ersten 33 Jahren seines Bestehens ist der Heidelberger Madrigalchor unter seinem Dirigenten Gerald Kegelmann zu einer wichtigen Stimme im regen Konzertleben dieser Stadt geworden, was von seinem Nachfolger Michael Sekulla fortgesetzt wird.

Gerald Kegelmann, der Schul- und Kirchenmusik sowie Germanistik studierte, lehrte von 1975 bis 2000 als Professor für Chorleitung und Chorerziehung an der Musikhochschule Heidelberg/Mannheim, deren Rektor er von 1986 bis 1997 war. Konzertreisen mit verschiedenen Chören, Gastdozenturen und Gastdirigate führten ihn in viele Länder Europas, Asiens sowie Nord- und Südamerikas. Die vielfältigen Kontakte des Dirigenten und die Tatsache, dass sich ein Teil der Chormitglieder in den ersten Jahren hauptsächlich aus Angehörigen der Musikhochschule Heidelberg/Mannheim rekrutierte, verschafften dem Madrigalchor die privilegierte Position, in der Künstler- und Komponistenwelt gleichsam das Gras wachsen zu hören: Viele nachmals berühmte Interpretinnen und Interpreten konnte der Madrigalchor dank zahlreichen persönlichen Kontakten auf Schüler- und Lehrerebene schon früh für eine Zusammenarbeit gewinnen; ebenso zeigten sich Komponistinnen und Komponisten wie Myriam Marbe, Claudio Santoro, Hans Vogt oder Violeta Dinescu stets bereit, dem Chor und seinem Dirigenten Uraufführungen anzuvertrauen.

Seines Namens eingedenk legt der Heidelberger Madrigalchor auf die weltliche Chormusik einen besonderen Schwerpunkt. Wenn er sich darüber hinaus auch der geistlichen nicht verschließt, entspricht er damit nicht nur den Wünschen aus den eigenen Reihen, sondern auch denen seiner Zuhörer.

Der Programmkonzeption wird besondere Sorgfalt gewidmet. Thematische Konzerte führen immer wieder zu überraschenden Konfrontationen von Bekanntem und Neuem. Das gilt auch für Konzertreihen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken: beispielsweise die Präsentation unterschiedlicher Vertonungen der Johannes-Passion (von Lechner über Schütz und Bach bis zu Pärt), von Hohelied-Kompositionen aus allen Epochen der Musikgeschichte, Werke zum Thema "Musik in der Natur - Natur in der Musik" oder "Abend - Nacht". Aus einigen Programmen mit musikalischen Raritäten sind gefragte CD-Produktionen erwachsen, wie jüngst "Goethes Faust in der Musik".

Die musikalische Neugier und seine unkonventionelle Programm--gestaltung haben dem Madrigalchor nicht nur in Heidelberg einen aktiv hörenden, interessierten und lernbereiten Zuhörerkreis verschafft, sondern ihn auch zu einem gern gehörten Gast in In- und Ausland gemacht, sei es bei Chorfestivals wie in Cuenca oder Turin, sei es im partnerschaftlichen Austausch wie mit Chören aus Barcelona und Miskolc, sei es auf Tourneen wie nach Österreich und Island.

Nicht unerwähnt soll schließlich der Heidelberger Kulturmarkt bleiben, der unter der Ägide des Madrigalchors seit 1986 mehrfach im Heidelberger Schlossgarten veranstaltet wurde und mit seinen zahlreichen - nicht nur musikalischen - künstlerischen Attraktionen bislang stets ein breites Publikum in seinen Bann zu schlagen wusste und für viele "Ehemalige" eine willkommene Gelegenheit bot, mit alten Freunden zu feiern.

 

Gerald Kegelmann

war nach dem Studium der Schul- und Kirchenmusik sowie der Germanistik an der Musikhochschule und der Universität Heidelberg als Kirchen- und Schulmusiker tätig. Seit 1975 lehrt er als Professor für Chorleitung und Chorerziehung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Heidelberg-Mannheim, deren Rektor er von 1986 bis 1997 war. Konzertreisen mit verschiedenen Chören führten ihn u a. nach Italien, Irland, Frankreich, Spanien, Österreich, Kanada, Rußland und in die USA; auch zu Gastdozenturen und Gastdirigaten wurde er wiederholt ins Ausland eingeladen, z.B. nach Brasilien, Portugal, Ungarn, Rußland.

Das Jahr 2004 hat für den Heidelberger Madrigalchor eine ganz besondere Bedeutung gehabt, denn Gerald Kegelmann hat seinen Platz am Dirigentenpult des Chores mit Ablauf dieses Jahres, in dem er seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hat, verlassen. Auf dieses einschneidende Ereignis ist denn auch das Jahresprogramm ausgerichtet gewesen, welches einen Rückblick auf das Gründungskonzert des Heidelberger Madrigalchors am 10. Juli 1971, eine "Lange Chornacht" mit den Perlen der Chormusik aus 33 Konzertjahren sowie eine Chorreise nach Russland gebracht hat. Mit dem "Deutschen Requiem" von Johannes Brahms und einer Uraufführung hat sich Gerald Kegelmann am 14. November 2004 vom Heidelberger Madrigalchor und dessen Publikum verabschiedet.